FA6-2010Zur Baugeschichte des SchlossesAuszug aus: Ein Beitrag zur Baugeschichte von Wilfried Pfefferkorn, Filderstadt, Burgen und Schlösser 1979/1SCHLOSS WALDMANNSHOFENLage und Nutzung.Das wohl erhaltene Schloß liegt in der Ebene am Nordwestrand des gleichnamigen Dorfes (zur Stadt Creglingen, Main-Tauber-Kreisin den Regierungsbezirk Stuttgart gehörend). Es dient überwiegend als Feuerwehrmuseum.Koordinaten:Rechts 35.77340, Hoch 54.89140Karten: 1 : 25 000 Blatt 6426 "Aub", 1 : 50 000 Blatt 6526 "Uffenheim"Vorhandene Bauaufnahmen und wichtige Abbildungen.a) Sorgfältig gezeichnete Grundrisse "WR 99" (Archiv Landesdenkmalamt)b) Fast vollständige Aufnahme (mit bisher nicht geprüften Baualtersangaben) C.F. Haenle T.H. Stuttgart 1930/31.c) Umfangreiche Bauaufnahme N.N.O.J. Vorbereitet für Inventar ? (Archiv Landesdenkmalamt)d) Grundrisse mit Nutzungsvorschlägen etc. Technisches Amt der Stadt Creglingen Okt. 77.e) 3 Grundrisse 1: 20 und Schnitt des großen Turmes 1 : 100 (Pfefferkorn 8/78)f) Bild von der Zerstörung 1523. Holzschnitt farbig etwa 35/28cm, in "Conterfei etlicher Kriegshandlungen von 1523 bis in das 1527 jar". Staatsbiblothek Bamberg R.B./H.bell)Beschreibung der Anlage.Das Äußere des Schloßes wird bestimmt vom Hauptdach mit den beiden volutengeschmückten Giebeln gegen Ost und West. DieEcken sind mit runden Türmen besetzt, im SO mit dem Großen Turm der in seiner Wirkung durch die Laterne auf dem Schieferhelmnoch gestärkt wird. Die anderen Ecktürme, mit schlichten Bogenfriesen auf halber Höhe, haben einfache Hauben. Zwischen demgroßen Turm und dem Hauptbau steht noch ein achteckiger Treppenturm und an der Westseite dazuhin ein niedriger rechteckigerFlankenturm mit segmentartig verzogenem Gesims, mit geschweiftem Helm und Laterne. Die Anlage ist umgeben von einemtrockenen flachen Graben, ehemals sicher tiefer und wohl ständig mit Wasser gefüllt. Der Hauptzugang führt über den Graben zumplastisch geschmückten Portal neben dem großen Turm.Die Fenster- und Türgewände sowie Gesimse, Giebelzierden und Eckverbände bestehen aus Werkstein, die Mauerflächen sindverputzt.Bauperioden.Die Ecktürme scheinen schon auf dem ersten Blick infolge der Form ihrer Scharten und des Bogenfrieses --- beides Dinge, die ganzgrob als gotisch angesprochen werden können --- einer früheren Bauphase anzugehören, als die große Hauptmasse des Schlossesin ausgeprägten Renaissanceformen. Ein Blick auf den Grundriss zeigt darüber hinaus einen ausgeprägten Kern, in dem man wohlden Gründungsbau der Anlage sehen muß.Die Abweichungen des Großen Turmes von den drei anderen Ecktürmen, d.h. das Fehlen von Schießscharten und Bogenfrieseinerseits und die etwas herausgerückte Stellung im Gesamtkomplex sowie die größere Baumasse andererseits lassen die Vermutungzu, daß er einer weiteren Bauphase angehört. Bisher ergibt sich damit:BauphaseI: Festes Haus auf flachem Hügel, von Wasser umgebenBauphaseII: Erweiterung dieses Gebäudes nach Osten bei evtl. gleichzeitiger Erbauung des "Großen Turmes".BauphaseIII: Anlage von Zwingern mit gleichzeitiger Erstellung weiterer Türme.Auf die Phase III folgt nun die bereits erwähnte Zerstörung des Komplexes im Jahre 1523.Die von dieser Katastrophe zeugende Illustration bestätigt zwar den Zustand Bauphase III, überrascht aber durch die Darstellungumfangreicher Vorwerke. Danach gab es um die Kernburg drei deutlich zu unterscheidende Ringe von Mauern mit überdecktenWehrgängen und Türmen und dazwischen jeweils offensichtlich mit Wasser gefüllte Gräben. Diese enorme Wehrhaftigkeit steht imkrassen Gegensatz zu den geringen auf uns überkommenen Bauresten und zur historischen Bedeutung. Eine Aussage dazu seiHistorikern vorbehalten, bedarf jedoch sicherlich umfangreicher Urkundenarbeit.Die Abbildung zeigt die Kernburg über Eck, den Großen Turm rechts davon so daß die Blickrichtung wohl von Südwest nach Nordostverläuft. Der Hauptbau bestand offensichtlich aus einem massiven Unterbau mit zwei Fenstern nach Westen, darüber einFachwerkaufbau mit zwei Giebeln, also zwei parallelen Satteldächern. Diese Dachanordnung ist, falls die Abbildung den Tatsachenentspricht, unverständlich. Die Abmessungen des Kernbaues sind schließlich nicht so groß, als daß er nicht mit einem Dachkörperhätte versehen werden können.Auffällig ist die Identität des Großen Turmes: Er hatte bereits die heutige Höhe ist mit dem Hauptbau durch einen überdeckten Gangverbunden, zeigt im obersten Geschoß zwei der Erker. Das Fehlen des Gesimses auf Höhe Unterkante Erker mag einDarstellungsfehler sein.Rechts am Turm wird zwischen dem Eingangs- und dem Erkergeschoß noch ein Ausbau sichtbar, der wohl einen Aborterker darstellt.Der Turm selbst steht offenbar frei in einem Hof, so daß die heutige Südwand nicht auf der seinerzeitigen Zwingermauer zu verlaufenscheint.Nachdem die Rosenberg im Anschluß an die Zerstörung offenbar wieder hier gebaut haben (Jahreszahl 1544 mit Wappen) schließen sich an:BauphaseIV: Reduzierter Wiederaufbau der Burg unter weitgehender Verwendung der stehengebliebenen Baureste mit Anlageeines jetzt engeren Zwingers, an den Ecken mit den oben als "gotisch" bezeichneten Rundtürmen.BauphaseV: Umgestaltung durch die Hatzfeld (nach 1637) zum Renaissanceschloß.Nachdem weitergehende Schlüsse nur durch Abnehmen von Verputz (zur Feststellung zugemauerter Öffnungen, zur Bestimmung vonBaufugen usw.) möglich sind, gleichzeitig aber der interessanteste Bauteil, der "Große Turm" bisher in allen Bauaufnahmen falsch odernur im Umriss dargestellt wurde, soll sich die weitere Betrachtung auf diesen Bauteil beschränken.Einzelheiten des Großen Turmes.Im zylindrischen Schaft des Turmes liegen drei Geschosse:Ebene 0= Nur von oben über ein "Angstloch" zugänglich, spärlich belüftet und beleuchtet über zwei hochliegende Fenster.Ebene 1= Eingangsgeschoß, jedoch etwa 1.00 m unter dem Zugangssteg vom Treppenhaus her liegend, kuppelüberwölbt,im Fußboden und Gewölbe je eine mit Gittern abgedeckte Öffnung zu den Geschossen da-runter und darüber. Eine nach obenführende Wendeltreppe, die in die westliche Außenwand weitgehend eingelassen ist. Gegen Osten ein kleines Fenster.Ebene 2= Über die Wendeltreppe zu erreichendes Geschoß mit zwei Fenstern, beide mit seitlichen steinernen Bänken einetürhohe Nische gegen NO, evtl. von dem weiter vorn erwähnten Aborterker stammend, daneben in Augenhöhe eine niedrige Nischemit Nuten eines Verschlusses, offenbar eine Art Schrank.Über ein Gesims knapp auskragend folgt nach obenEbene 3= Ein heller Raum, in dem die Wendeltreppe endet, mit drei Erkern, zwei davon mit Fenstern und zwischen denErkern nochmals Fenster. Die Erker auf jeweils drei Konsolen, so daß pro Erker zwei Öffnungen nach unten bleiben, die nur mitBrettern abgedeckt sind und ursprünglich evtl. als Verteidigungseinrichtungen gedacht waren.Die Fußböden von Ebene 1 und 2 sind belegt mit roten Ziegelfliesen von knapp 16/16cm Größe, ornamentiert mit vertieften stilisiertenLilien. Sofern die Fliesen nicht in zweiter Verwendung vorliegen --- dies festzustellen scheint unmöglich wären sie infolge Prägung, Größe und Motiv ein Hinweis für die Erbauung des Turmes im 14. Jahrhundert, kaum in das 13. Jhdt. zurückreichend, eher erst in die1. Hälfte des 15. Jahrhundert fallend.Die Wände und Gewölbe von Ebene 1 und 2 sind bemalt mit Rankenwerk. Die Ebene 1 mit unpaarig gefiedertem Blattwerk,dazwischen stilisierte Rosen; bei Ebene 2 wesentlich zarter mit unnatürlich wirkenden Lanzettranken und Phantasieblüten. Beideausgesprochen gotisch wirkenden Formen können aus der Zeit vor 1523 nur stammen, falls es im Turmschaft nicht ernstlichgebrannt hat. Denkbar wäre jedoch angesichts der anhaltenden Vorliebe für Gotisches im südwestdeutschen Raum auch eineAusmalung in der Rosenbergschen Wiederherstellung um 1544.In den Gewölben stecken noch verschiedene Eisenteile, so auf Ebene 1 über dem "Angstloch" eine Art Gabel mit einer Rolle zwischenden Zinken, auf Ebene 2 mehrere Ringe in fest eingemauerten Ösen. Während für die Ringe nicht verbindlich ein Zweck festgelegtwerden kann, diente die Gabel - Rolle in jedem Fall als Seilführung für das Heben und Senken von Lasten in das sonstunzugängliche Gewölbe auf Ebene 0.Die ursprüngliche Form des Großen Turmes.In der Blütezeit des Burgenbaues war der beherrschende Turm vieler Burgen der Bergfried. Er entstand einerseits aus dem Bedürfnisnach einem festen Rückzugsort für die meist kleine Burgbesatzung, andererseits diente er gleichzeitig Zwecken der Repräsentation,d.h. in ihm manifestierte sich weithin sichtbar die Wehrhaftigkeit des Burgherren. Einige wenige Bergfriede schienen zum Wohneneingerichtet mit Kamin und Aborterker, viele andere aber sind lediglich Mauermasse, allenfalls für die Devensive aus der Überhöhunggeeignet. Von wenigen Ausnahmen abgesehen schrumpfen in der Endphase die Abmessungen der Bergfriede, wobei der Grundoffensichtlich nicht nur im Rückgang der Wirtschaftskraft der Bauherren zu suchen ist, sondern eben auch im Überleben der Idee.Wollte man nun im Großen Turm von Waldmannshofen einen solchen späten und deshalb schwachen Bergfried sehen, dann wäre dieFrage nach der Funktion bereits beantwortet. Wehrtürme wurden jedoch auch nach der Bergfriedzeit gebaut, aber nachdem dieWehrhaftigkeit dieses Turmes sehr zurücktritt, es fehlen z.B. Schießscharten, stellt sich die Frage nach einer anderen Nutzung; Solltees sich etwa um einen ,,Gerichtsturm" handeln? Dann wäre auf Ebene 0 in jedem Fall ein Verlies, also der Kerker zu suchen. AufEbene 1 könnte beim Eingang der Platz des Wächters gewesen sein und auf Ebene 2 eine Art Schreibstube, Gerichtsaktei oder einRaum für Verhöre. Ebene 3 hätte für die eigentlichen Sitzungen, also für die Rechtssprechung selbst, soweit derartige Handlungennicht öffentlich zu sein brauchten, durchaus den geeigneten Rahmen abgegeben. Nachdem, bewiesen durch die Erwähnung im Jahre1430 (siehe vorn) mit dem Lehen Waldmannshofen durchaus auch eine gewisse Gerichtsbarkeit verbunden war, ist die Existenz einesGerichtsturmes im 14. und 15. Jahrhundert denkbar. hier endet der Auszug vom Beitrag von Wilfried Pfefferkorn, Filderstadt.nachempfunden aus:Bild von der Zerstörung 1523. Holzschnittaus Albert Krämers Fundus der heimatgeschichtlichen Unterlagen WaldmannshofenDieser Teil ist derzeit in Bearbeitung und Überprüfung.