Tauber-Zeitung, 30. Juni 2007 Inge Braune 1200-JAHR-FEIER / Waldmannshofen feiert vom 6. bis 8. Juli die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 807 (Teil 4) Ein Schloss erzählt viele spannende Geschichten 1967 wurde hier das erste Feuerwehrmuseum in Baden-Württemberg eröffnet Reichlich Geschichte umweht das ehemalige Wasserschloss zu Waldmannshofen: Im Hungerturm sollen Kinder noch in den 50er Jahren Knochen entdeckt haben. Menschen? Tiere? Erforscher der Lokalgeschichte sind sich sicher, dass im Verlies nie ein Mensch zu Tode kam. WALDMANNSHOFEN Fragt man Walter Schnirch, den Leiter des Feuerwehrmuseums, das seit 1967 hier - als erstes in Baden- Württemberg - untergebracht ist, dann weiß auch der um manche Schloss-Geheimnisse, wenn auch um nicht so düstere. Im Eckturm steckt nicht nur das Burgverlies, sondern noch ein paar Kammern, die Rätsel bergen. Fresken zieren zwei dieser Kammern - was es aber mit ihnen auf sich hat, ist noch immer nicht ganz geklärt. Und stammen die Fliesen in den Turmkammern tatsächlich aus den Beständen des Klosters Frauental? Theoretisch denkbar ist das schon: Recycling wurde schon früher betrieben. Was steckte einst wohl hinter der eisenbeschlagenen Tür, zu der man nur über ein winziges Treppentürmchen im Turm hinkommt? Das Schlossarchiv? Vielleicht auch der "Tresor"? Wer weiß. Schnirch hat im alten Wasserschloss schon viele Stunden zugebracht, oft bis in die späte Nacht hinein. Er kennt das Raunen der alten Balken. Aber auch wenn das Schloss bei Nacht manchmal laut vor sich hin erzählt: Dass hier jemals ein Geist herumgewandert sei, das dementiert Museumsleiter Schnirch entschieden. Zwar hätten ihm und seinen Helfern schon manchmal Zähne und Knochen geklappert, das aber immer der Kälte in den alten Mauern wegen, nie wegen irgendwelcher schwebender Gestalten. Mag sein, es liegt daran, dass Cuntz von Rosenberg gerade noch rechtzeitig sein Schloss räumen konnte, als es 1523 der Schwäbische Bund in Brand setzte. Drei Tage lang soll Feuer aus dem Turm gelodert haben. Außer Mauern und Scheuer blieb kaum etwas stehen vom einst stolzen Sitz. Cuntz baute wieder auf. Die Zähigkeit teilt er mit den Waldmannshöfern. Nachdem das Rosenberg-Geschlecht ausgestorben war, ging das Schloss 1637 an die Hatzfelder, die mit der Anlage von zwei Seen - im einen steht während der 1200-Jahr-Feiern das Festzelt - und des Fasanengartens höfische Eleganz nach Waldmannshofen brachten. 1660 renovierte Hermann von Hatzfeld das Schloss im Renaissancestil, errichtete die Schlosskapelle, den Kanzleibau mit großer Freitreppe, den runden Südwestturm und erneuerte die Zugbrücke. 1886 verkaufte Fürst von Alfred von Hatzfeld-Wildenburg Schloss, 115 Hektar Felder und 45 Hektar Wald an Waldmannshofen. Ein kluger Mann müsse das gewesen sein, bewertete der erste Landesbeamte Jörg Hasenbusch vor fünf Jahren anlässlich des 35. Geburtstags des Feuerwehrmuseums den Verkauf. Denn Schlösser seien, bei aller Liebe, "keine Rendite-Objekte". Die praktisch veranlagten Waldmannshöfer teilten den Grundbesitz auf und nutzten das Schloss im weiteren Geschichtsverlauf als Not- und Flüchtlingswohnungen, als Kriegsgefangenenlager und auch, um im "Dritten Reich" Zwangsarbeiter unterzubringen. Die französischen Kriegsgefangenen, die bis kurz vor Kriegsende hier untergebracht waren, haben es angeblich ganz gut im Schloss ausgehalten, auch wenn sie mit 20 bis 30 Mann in zwei Räumen untergebracht waren. Immerhin konnten sie über die alten Kachelöfen im Schloss immer heizen - und sie hätten sich da schon mal Katzen gebraten und behauptet, es seien Hasen. Knapp zwei Jahrzehnte nach dem kommunalen Ankauf des Schlosses (1905) wäre das verwinkelte Schlösschen fast in Schutt und Asche gelegt worden. Glücklicherweise, so zumindest wurde es Walter Schnirch zugetragen, habe genau in dieser Nacht ein Bauer nicht schlafen können und den Feuerschein gesehen. Dass der rechtzeitig die Feuerwehr holte, soll ihn im nicht gerade besonders beliebt gemacht haben. Denn inzwischen hatten die Waldmannshöfer wohl auch schon festgestellt, dass Schlösser eben keine Rendite-Objekte sind. Acht Notwohnungen befanden sich noch im Schloss, als Alfred Gauckler, "Gründervater" des Feuerwehrmuseums, Ende der 50er die alten Feuerwehrgeräte dort unterbrachte. 1967 eröffnete das erste Feuerwehrmuseum des Landes Baden-Württemberg im ehemaligen Wasserschloss. Gauckler, Kreisbrandmeister und Kreisbaumeister des Altkreises Bad Mergentheim, leitete das Museum bis 1993. Dann trat Walter Schnirch die Nachfolge in dem gut sortierten Feuerwehrmuseum an. Zum 1200-jährigen Jubiläum ihres Dorfes haben die Waldmannshöfer nicht nur ihr Schloss mit Strahlern ins rechte Licht gerückt, sondern sie machen es auch zum Mittelpunkt von Mittelaltermarkt und Lagerleben. Das Feuerwehrmuseum bedankt sich dafür mit der historischen Löschübung am Sonntag, 8. Juli, um 14 Uhr. Künstler, Bauern und Sinnierer Ein Schloss hat Waldmannshofen schon seit der Stauferzeit, eine Wasserleitung seit 1904, Strom seit 1930, Kanalisation seit 1960, und seit Dezember kann es sich auch noch damit schmücken, dass hier der Initiator des Regionalgeldes "Tauber-Franken" lebt. Peter Striffler ist Landwirt - einer der insgesamt 16 Landwirte, die in Waldmannshofen ihre Betriebe haben. Drei der 16 Betriebe laufen jetzt schon im Nebenerwerb, für fünf gibt es keine Nachfolger mehr. Striffler setzt auf Bio-Landwirtschaft, Demeter und Selbstvermarktung, auf regionale Kreisläufe. Das brachte ihn auch auf die Idee mit dem Regio-Geld: Das Geld mit der eingebauten Abwertung ist nicht exportierbar, hat es eilig und kommt so nicht den großen Einkaufsketten, sondern eher kleinen, regional verwurzelten Produzenten, Händlern und Dienstleistern zugute, die es wieder in der Region ausgeben. Striffler malt auch - hat zum Beispiel mitgemacht bei "Kunst am Scheunentor". Auf kreative Phantasie trifft man in Waldmannshofen häufig. Da hat sich etwa der gebürtige Stuttgarter Frank Rittwagen angesiedelt; ein Geigenbaumeister, der das Holz zum Klingen bringt. Dazu muss man die Hölzer genau kennen, Holzbearbeitung in Perfektion und Präzision beherrschen. Nicht nur die Geigen, Bratschen und Celli stellt Rittwagen her, auch seine Klingen fürs "Zeichnen mit dem Messer" fertigt der Instrumentenbauer selbst. Immer weiter tastet sich Rittwagen an die Techniken und Geheimnisse der alten Meister des Geigenbaus heran. Instrumente aus seiner Werkstatt reisen mit Künstlern um die Welt. Holz ist auch ein Werkstoff, mit dem Gunther Seubert gern arbeitet - wenn auch auf ganz andere Art. Er hat die Holzschilder, die den Jubiläumsort schmücken, geschnitzt: Perfekt, sehr gründlich, mit genauer Überlegung. Auch so etwa trägt zum Ambiente eines Ortes bei. Ebenso wie die Bilder von Eduard Czotscher, der sich mit seiner Frau in Waldmannshofen angesiedelt hat. Seine Gemälde erinnern in ihrer feinen Ausarbeitung an die Kunst alter Meister. Autodidaktisch hat er sich das abgeschaut, denn der väterlichen Anweisung, "was Gscheits" zu lernen, mochte er sich nicht widersetzen. Natur spielt eine wichtige Rolle in seiner gegenständlichen Malerei. Eine zweite künstlerische Gegenwelt: Das Blechspielzeug, das Czotscher sammelt, saniert, vollendet nacharbeitet. Dann sind da noch die Eisenbahnen - und die Töpferei seiner Frau. Wer am Festwochenende beim Höfefest am Sonntag mit offenen Augen durch Waldmannshofen geht, wird noch reichlich kreative Talente entdecken: Sie finden sich beim Scheunenflohmarkt wie beim Schattenspiel, als Kunsthandwerk und oft auch einfach in dem Talent, die Dinge schön und sehr lebendig zu gestalten. Wann? Wo? Was?  Freitag, 6. Juli   ab 20 Uhr: Coverrock mit der Band "Die Liga" im Festzelt. Samstag, 7. Juli  ab 13 Uhr: Mittelalter-Markt rund ums Schloss. 20 Uhr: Heimatabend im Festzelt unter dem Motto "Mit Dorfglocke und Kirchenspieß". Sonntag, 8. Juli  10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst im Festzelt. ab 11 Uhr: Höfefest mit vielen Aktionen, Mittelalter-Markt rund ums Schloss. 11 bis 18 Uhr: Ausstellung "Unsere Kirche im Wandel der Zeit" in der Johanniskirche. 12 Uhr: Mittagessen im Festzelt. 13 Uhr: Der Herold verliest die Dorfordnung. 13 bis 16 Uhr: Kinderprogramm. 14 Uhr: Historische Feuerlöschübung am Schloss. 15 Uhr: Mittelalterliche Musik in der Johanniskirche mit dem "Collegium nouve musice". 16.30 und 17.30 Uhr: Turmschatzkammer-Führung mit Gerhard Schmidt. 18 bis 23 Uhr: Festbetrieb mit den Baldersheimer Musikanten. Nach Einbruch der Dunkelheit: Jubiläumsfeuerwerk. Der Mittelaltermarkt am Samstag und Sonntag wartet auf mit Lagerleben der Baieruther Katzbalgerey und der Frey-Reutter, mit Salzbader und Salzsieder, Schuh- und Laternenmacher, mit Geigenbauer, Falkner und Bogenmacherei, mit Drechsler, Bürstenmacher, Scherenschleifer und Gewandschneider, Papierschöpfer und Druckerey, Tanz, Gaukeley und Kartenlegekunst, der Kunst des Münzenprägens, mit Edelsteinen und Geschmeide, mit Met und kühlem Trunk, mit Nasch- und Mandelwerk, Wander- und Schmalzbäcker, mit Kräuterelexieren, Hexenküche, Räucherwerk - und allem, was das Mittelalter sonst noch bietet für Groß und Klein. Für Kinder gibt es Ponyreiten, Märchenzelt und Kinderschminken, dazu ganz viel zu sehen und noch mehr zu erleben. Das Höfefest am Sonntag ergänzt den Mittelaltermarkt durch Schäferei und Schmied, Zimmerei und Steinmetz, Töpferei, Korbflechterei und die offene Brennerei. Dazu gesellten sich die Oldtimer-Landtechnikausstellung, das Schattenspiel-Theater um die Waldmannshöfer Ortssage von "Hans Hoi", die Fotoausstellung "Alte Schätze", ein Kinderprogramm mit Geschicklichkeitsspielen und Tombola, Ponyreiten und Stroh-Hüpfburg, Aufführungen vom Zirkus Blamage und Jonglagen zum Mitmachen.