Tauber-Zeitung, 23. Juni 2007 Inge Braune 1200-JAHR-FEIER / Waldmannshofen wird im Jahre 807 erstmals in einer Urkunde erwähnt (Teil 3) Die Dorfordnung regelte das Zusammenleben Vom 6. bis 8. Juli Mittelalter-Klang und Coverrock, Markttreiben und Feuerwerk Wenn Waldmannshofen feiert, dann richtig. Dann zeigt das der Ort auch - zum Beispiel mit den großen Gemälden, die Eduard Czotscher, Peter Lichtenstern und Peter Striffler von Waldmannshofen gemalt haben. Die "Kunst am Scheunentor" fängt Geschichte mit Farben ein. WALDMANNSHOFEN Die einen malen, die anderen engagieren sich im Organisationsteam. Ganz Waldmannshofen macht mit bei den Vorbereitungen fürs große Jubiläumsfest vom 6. bis 8. Juli. Die Jugend kann sich am Freitag Abend auf Coverrock vom Feinsten freuen. Etwas leiser zugehen wird es beim Heimatabend am Samstag. Unter dem Motto "Mit Dorfglocke und Kirchenspieß" präsentiert der Ort seine Geschichte, Geschichten und Bilder. Mit dabei sind die Flötengruppe der Musikschule, Jugendclub, Kirchenchor Sechselbach-Waldmannshofen, Sängerkranz Waldmannshofen und die Auber Straßenmusikanten. Im Festzelt findet am Sonntag um 10 Uhr ein ökumenische Festgottesdienst mit Kinderkirche statt, den der Posaunenchor Archshofen und der Sängerkranz Waldmannshofen umrahmen werden. Anschließend geht es rund im Jubiläumsort: Zum Mittelaltermarkt, der bereits am Samstag von 13 bis 23 Uhr das Mittelalter wieder lebendig macht, gesellt sich am Sonntag das Höfefest, das sich in der Vergangenheit auch ohne Jubiläumsverstärkung einen festen Freundeskreis geschaffen hat. Da wird das Dorfleben aus der guten alten Zeit lebendig - mit Schäferei und Dreschmaschine, Korbflechterei und Schmiedehammer. Zum zünftigen Mittagessen lädt Waldmannshofen am Sonntag ins Festzelt. Die Kleinen dürfen sich ab 13 Uhr auf ein Kinderprogramm freuen, während der Herold den Großen die Dorfordnung verkündet. Ganz schön warm kann"s einem da werden, so dass die Historische Löschübung um 14 Uhr wie gerufen kommt. In der Johanniskirche ist von 11 bis 18 Uhr die Ausstellung "Unsere Kirche im Wandel der Zeit" zu besichtigen. Um 15 Uhr spielt hier das "Collegium nuove musice" mittelalterliche Musik auf historischen Instrumenten. Jeweils um 16 und 17 Uhr können sich die Gäste erläutern lassen, was es mit der Turmschatzkammer und dem Kindergrabstein auf sich hat. Am Sonntag sorgen von 18 bis 23 Uhr die Baldersheimer Musikanten für gute Stimmung - und abends steht ein Jubiläumsfeuerwerk auf dem Programm. Als Publikumsmagnet dürfte sich an beiden Tagen der Mittelalter-Markt rund ums Schloss erweisen, der am Samstag von 13 bis 23 Uhr und am Sonntag von 13 bis 20 Uhr öffnet. Da geben sich Salzsieder, Töpfer und Laternenmacher, Schuhmacher und Scherenschleifer, Geigenbauer, Kunsthandwerker und Zünfte ein Stelldichein. Wer "Die Lachenden Bäcker" sucht, kann einfach seiner Nase nachgehen - die findet die historische Wanderbackstube von ganz allein. Auch der Schmalzbäcker sorgt fürs leibliche Wohl und in der mittelalterlichen Hexenküche wird kuriert, wenn etwa zu viel feiern Schaden angerichtet hat. Die Hexenküche macht sich uraltes Wissen über die Heilkraft der Natur zunutze. Auch die "Beieruther Katzbalgerey" ist zu Gast - eine Truppe, die das Mittelalter mit Lagerleben, Kampfeskunst und mittelalterlicher Lebenslust hautnah erleben lässt. Auch ein Falkner darf nicht fehlen und auch nicht "Die Frey-Reutter 1628". Sie unterhalten mit Musik, Tanz, Lagerleben und Märchenzelt. Strohhüpfburg, Ponyreiten, Kinderschminken - auch für junge Gäste gibt es, was das Herz begehrt. Wer eher aufs fein geschliffene Wort setzt, findet beim Mittelalter-Markt auch Papiermacher und Druckerey. Liest Kartenlegerin Alraune die Zukunft? Ausprobieren! "Mercatus Tectum" und die "Teutschen Gwandweiber zu Falkenburg" bieten historische Gewänder zur Schau und feil - natürlich nur, wenn die Zahl-Taler ebenso echt sind wie die vom Waldmannshöfer Münzpräger. Den einen oder anderen Dukaten sollte zur Hand haben, wer sich mit Perlen und Diademen für den Abend schmücken will. Zuvor jedoch wäre vielleicht eine Stippvisite in der Bürstenbinderei empfehlenswert. Schaden kann"s auch nicht, beim Seifensieder kurz vorbeizuschauen. Oder ist ein Bad gefällig? Gar kein Problem, denn Waldmannshofen öffnet zum Jubiläum die Badestube der Salzbader. Im hölzernen Zuber werden Mutige mit Massage, Unterhaltung und Leckereien verwöhnt. JUBILÄUM / Waldmannshöfer Erinnerungen an die jüngste Vergangenheit War es wirklich die gute alte Zeit? Bauer und Bäuerin, Knecht und Magd - auch, wenn sie an einem Tisch saßen, stand unsichtbar ein Zaun dazwischen. Denn gegen den "Weigoff", ein Handgeld von rund zwanzig Mark, verpflichteten Bauern auch nach dem Krieg noch ihre Mägde. Regelrecht verkauft habe man sich gefühlt, erzählt eine ehemalige Magd. Freitags hatte sie noch die Schulbank gedrückt, montags war sie mit 14 Jahren in die Gesindestube eingezogen. Der Strohsack wurde nur einmal im Jahr wieder aufgefüllt - zur Kirchweih im Oktober. Im Winter gefror das Wasser in der Waschschüssel, gar manche Nacht habe man auch mit Socken an den Füßen gebibbert. Einer Magd eine Wärmflasche gestatten - nein, das sei doch allzu sehr gegen den "Baurestolz" gegangen. Kurze Nächte, dann Melken, Misten, Kühe striegeln. War Brot zu backen, ging"s Sommers statt um fünf, halb sechs schon um halb drei, drei mit der Arbeit los. Wie man das ausgehalten hat, als Halbwüchsige die schweren Garben auf den Heuboden hinaufzugabeln? Es war halt so, so schrecklich anstrengend. Und trotzdem sei"s eine schöne Jugend gewesen, kommt ein Einwand. Zusammengehalten habe man doch viel mehr als heutzutage. Da sei die Jugend noch gemeinsam losgezogen, um die Kirchweih in den umliegenden Orten zu besuchen; da habe man - als Schulkind beim Kartoffelkäfer-Lesen - auch schon mal "e Sterze Wasser" im Holzkrug hingestellt bekommen. Die kleinen Bauern arbeiteten mit Ochsengespannen - nur die großen konnten es sich leisten, die vom Lokomobil angetriebene Dreschmaschine einzusetzen. Früh um vier musste der Koloss angeheizt werden, damit die Maschine bis zum Dreschbeginn um sechs genug Dampf hatte. Von Hof zu Hof wurde das schwere Gerät mit Ochsen oder Pferden gezogen. Für Knechte und Mägde, die oft immer noch nur eine Waschschüssel zur Verfügung hatten, war das Schwimmbad in Waldmannshofen schlicht die Errungenschaft der Nachkriegszeit: Die Saisonkarte ermöglichte nach der Feldarbeit Abkühlung und Sauberkeit. Nach der Ernte die Ähren zu lesen, mit der gut einen Meter breiten, schweren "Hungerharke" auch noch die letzten Reste vom Acker zu holen, war normal. Kinder hatten mitzuarbeiten. Nein, zurück in die Vergangenheit, das wollen hier die wenigsten, auch wenn es viele schöne Erinnerungen gibt. Zum Beispiel die Kirchweih, die immer eine Riesengaudi war. Wie die Kreisel hätten sich die Paare gedreht, während die Musik immer schneller wurde. Wer am längsten durchhielt, der konnte sich über eine Kiste Bier freuen - und über die Ehre. Oft genug sei man ohne Schlaf morgens wieder in den Stall gegangen. "Die Kärwe iss lustig, die Kärwe iss schea, da müsse die Weiber mit Schlappe hamgeh." Man habe schon das Leben genossen, etwa am Sonntag Abend auf der Schulwiese getanzt. Wenn geschlachtet wurde, bekamen Pfarrer und Schulmeister ihrem Teil ab. Überliefert ist, dass der Sohn eines reicheren Bauern das auszunutzen wusste: "Schullehrere, Schullehrere, wenn du mir ned seggst, wie des gett, dann bring" i d"r ka Woarscht meh." Auch der "Metzelbeibel", der völlig mit Ruß unkenntlich gemachte Mann, der an der Haustür mit dem Stecken auf den Boden klopfte, hatte das Recht, Wurst, Kraut und Kesselfleisch einzufordern. Unter der Maske steckte immer ein Knecht - nie freilich der, der zum Bauernhaushalt gehörte. Dass je einer verraten worden sei, das hätte es nie gegeben, berichten alte Waldmannshöfer. Angst einjagen konnte den Kindern auch der "Hullemärtl", der das Christkind am Weihnachtsabend begleitete. JUBILÄUM / Funde aus der Steinzeit 1200 Jahre? Nein, viel viel älter Das Auge für uralte Zeugen der Vergangenheit hat Albert Hein von seinem Vater Martin Hein geerbt. Jahrgang 1892 war der Straßenwart. Als 1903 beim Ausschachten fürs Waaghäusle ein frühgeschichtliches Grab auftauchte, war Martin Hein völlig fasziniert und entwickelte sich zum Sammler von Steinzeitfunden. Beim Eggen hatte der Bauer immer den Blick in der Furche, erzählt Albert Hein. Die Bauern wollten sie Steine von den Feldern weg haben und deponierten sie auf den Steinlagerhaufen am Straßenrand. Ehe die Lesesteine eingeschottert wurden, habe sein Vater die Gelegenheit genutzt, immer mal wieder ein paar "Steine" umzuwenden. Schon als Schulbub begleitete Albert Hein seinen Vater mit Begeisterung, wenn der sich nach Niedersteinach aufmachte, um Lehrer Hommel die Funde zu übergeben. Der zahlte 50 Pfennig pro Fundstück, egal, ob es sich um eine steinzeitliche Klinge, eine Pfeilspitze oder eine Steinaxt handelte. Und für den fünf- bis sechsjährigen Albert hatte er immer ein Stück Schokolade. Es sei gar nicht so schwierig gewesen, die Fundstücke zu erkennen: So dunkel sei kein hiesiger Stein. Einige schon früh besiedelte Stellen kennt Albert Hein in der Umgebung des Ortes. Besonders um alte Quellen häufen sich die Funde. Dass sich Hein für die Steinzeitzeugnisse interessierte, sprach sich bald herum: Etliche Bauern lieferten ihm die Stücke frei Haus - wissend, dass er sie schon an die richtigen Stellen weitergeben würde. Sei Vater hatte auch manches Fundstück in die Schule gebracht - als heimatkundliches Anschauungsmaterial. Als die alte Schule aufgelöst wurde, hat Hein die Schulsammlung gemeinsam mit Albert Krämer, der nach 14 Lehrerjahren in Waldmannshofen 1967 Rektor der Creglinger Realschule wurde, ins Waldmannshofer Rathaus gebracht. Heins Lieblingsstück, ein klitzekleiner Wetzstein, den wohl einst einer der frühen Siedler von Waldmannshofen um den Hals getragen hat, gibt es nur noch in seiner Erinnerung: Das nur drei Zentimeter große Fundstückchen mit der zierlichen Bohrung ließ sich trotz langer Suche nicht mehr auffinden. Waldmannshofen war also schon in der Steinzeit besiedelt.