Tauber-Zeitung, 9. Juni 2007 Inge Braune 1200 Jahre alt und quicklebendig DORFJUBILÄUM / Waldmannshofen feiert vom 6. bis 8. Juli seine erste urkundliche Erwähnung im Jahre 807 (Teil 1) Waldmannshofen, der heutige Stadtteil von Creglingen, blickt vom 6. bis 8. Juli auf eine 1200-Jahrige Geschichte zurück. Man schreibt das Jahr 807, als Kaiser Karl V. (*I.) einen Gebietstausch zwischen dem Würzburger Bischof Egleard und dem Gaugrafen Auduif beurkundet. WALDMANNSHOFEN Waldmannshofen liegt im Drei-Länder-Eck von Hohenlohe-Franken, Unterfranken und Mittelfranken im nordöstlichsten Zipfel von Baden-Württemberg. Der Ort hat nicht nur ein Schloss samt ehemaligem Fasanengarten, das erste Feuerwehrmuseum Baden-Württembergs wurde 1967 hier eingerichtet. Auch sonst hat Waldmannshofen etwas zu bieten: Die Johanneskirche, das Waldmannshöfe-Fest, das eine regelrechte kleine Künstlerkolonie ins Leben gerufen hat, und inzwischen sogar eine eigene Währung, den Tauber-Franken. Gut — das eigene “Geld” ist keins, das nur in Waldmannshofen gilt. Die Währung akzeptieren schon die ersten Händler in Rothenburg und Bad Mergentheim. Aber in Waldmannshofen sitzt sozusagen die “Zentralbank“. Als mlttelfränkische Gemeinde verstehen sie sich die Waldmannshöfer, auch wenn sie seit fast zwei Jahrhunderten zu Württemberg gehören. Sie sind schon was Besonderes, die rund 220 Einwohner der Ortschaft rund um das ehemalige Wasserschloss und die rund 80 Sechselbacher, von denen heute nicht mehr zu erfahren ist seit wann sie eigentlich zu Waldmannshofen zählen. Naturverbunden sind sie und kreativ, erfindungsreich, geschichtsbewusst, verwurzelt in der Tradition und bodenständig, auch wenn sie längst woanders wohnen. Noch weiß man um die Nachfahren der Auswanderer. die sich in der Heimat schwer taten, für ihre Familien zu sorgen. Wenn Onkel oder Tante aus Amerika zu Besuch kommen, dann gibt‘s ein großes Hallo, werden alte Fotoalben herausgekramt, dann schwelgt man in der Vergangenheit. Die alten Alben stellten den Grundstock der Fotosammlung, die Ortsvorsteher Karl Henn und Wilhelm Ganzhorn sichteten. Noch sind nicht alle Alben aufgespürt, noch langst nicht alle Bilder ausgewertet. Trotzdem hat Friedrich Albrecht, der inzwischen auch “Ausgewanderte” mit dem zum Jubiläum gehörenden Arbeitskreis Medien ins Leben gerufenen “Walmisheifer Gmeeboude” versorgt, hat bereits einen stattlichen Fundus ins digitale Archiv eingearbeitet. Allzuviel Respekt vor Obrigkeiten hat die Einwohner des Ortes noch nie geplagt. So widersetzten sie sich auch der stockkatholischen Halzfelder Herrschaft, blieben stur evangelisch, so dass die Hatzfelder ihre eigene katholische Privatkapelle im Schloss einrichten mussten. Die Treue zum reformierten Bekenntnis könnte auch damit zu tun haben, dass der frühere Pfarrer Friedrich Süß 1528 in Würzburg als Ketzer verbrannt worden war. Der ehemalige Augustinermönch war beim Ausbruch des Bauernkrlegs als Prediger der Aufständischen im Würzburger Dom aufgefallen. Im Steigerwald hatte man ihn der Wiedertauferei beschuldigt. Auch gegen seine Ehefrau und seine Kinder übte der Würzburger Bischof keine Gnade: In Sutzfeld wurden sie “gesäckt“: in Säcke gesteckt und im Main ertränkt. Wenn sIe was machen, tun sie richtig, sagt Renate Ganzhorn-Burkhardt mit Blick auf die Gemeinde, in der sie seit 1995 als Pfarrerin Ihren Dienst versieht. Das gilt natürlich auch. wenn es ums Feiern geht, und heuer hat man allen Grund dazu- 1200 Jahre sind vergangen seit der ersten bislang entdeckten urkundlichen Erwähnung - ebenso wie in Archshofen und in Freudenbach. Die Waldmannshöfer und Sechselbacher feiern, wie es sich hier gehört: kirchlich und weltlich, ländlich und ein kleines bisschen höfisch. Schließlich stellt ja das Schloss einen nicht nur baulich markanten Punkt dar, auch wenn es heute nicht mehr Adelssitz ist, sondern Feuerwehrmuseum.   Geschichte Im Sauseschritt * Wenn Ortsvorsteher Karl Henn, was im Jublläumsjahr immer wieder von ihm gefordert wird, die Geschichte des Fleckens ums Schloss herum kurz zusammenfasst, dann bleibt nur Zeit für wenige prägnante Ereignisse und Zahlen: Aus dem Jahr 807 datiert das Tauschgeschäft, das Waldmannshofen zur ersten urkundlichen Erwähnung verhalf: Bischof Egiward*  von Würzburg tauschte den Zehnten aus Waldmannshofen an den Gaugrafen AuduIf. Bis zum 13. Jahrhundert unterstand die Ortschaft den Herren von Willanzheim *, später den Schenken von Limburg, dann den Herren von Hohenlohe-Brauneck. Klosterbesitz war der Ort* ebenfalls: Von 1293 bis 1295 gehörte Waldmannshofen dem Kloster Heilbronn*, danach Kloster Frauental *, Unter Brauneck‘scher und Brandenburg-Ansbachischer Lehenshoheit waren die Truchsesse aus Baldersheim und die von Rosenberg in Waldmannshofen die Herren. Mit Cuntz von Rosenberg waren die Bauern einige Jahre gut gefahren. Milde soll er gewesen sein, Ihnen nur geringe Fron abverlangt haben - bis nach dem Brand. Der Angriff des Schwäbischen Bundes auf Schloss und Dorf war Folge des Kampfes von Ritter Thomas* von Absberg gegen den Städtebund. Cuntz von Rosenberg hatte Absberg unterstützt, für ihn nicht nur gekundschaftet und den Aufständischen Unterschlupf gewährt, wie Albert Krämer 1971 für die geschichtliche Heimatkunde skizzierte, sondern war auch beim Überfall auf den Grafen von Oettingen beteiligt - und das ohne Fehdeankündigung, was im Mittelalter als besonders verwerflich galt. Der Schwäbische Bund ließ das Schloss 1523 bIs auf die Grundmauern niederbrennen und einreißen*. Cuntz und die Rosenberger bauten das Schloss bis 1544 wieder auf - zum Teil auf Kosten der Waldmannshöfer, die fortan schwere Fronlasten zu tragen hatten. Es waren die Rosenberger, die die Reformation einführten. Ein knappes Jahrhundert hielt sich das Geschlecht in Waldmannshofen -- bis es ausstarb. Waldmannshofen fiel für einige Jahre an Brandenburg- Ansbach, bis Graf von Hatzfeld Eigentümer der Gemeinde wurde. In Glaubensfragen wurden sich die katholischen Hatzfelder mit der evangelischen Gemeinde nie einig - aber immerhin setzte sich Melchior von Hatzfeld als Vermlttler ein, damit der Ort ab 1651 einmal* im Jahr einen steuerfreien Markt abhalten konnte. 1796 fiel die Gemeinde an Preußen, 1805 an Bayern, 1810 kam sie zu Württemberg. Der Fürst von Hatzfeld verlor das Interesse, verkaufte Schloss und Güter 1886 an die Gemeinde, die einen großen Teil an Waldmannshöfer Bauern veräusserte. Mit dem Wasserleitungsbau und der Gründung des Darlehnskassenverelns 1904 und dem Anschluss an die Elektrizitätsversorgung 1913 machte sich der Ort auf in die Moderne - und wurde vom Krieg eingeholt. Neuen Aufschwung brachte die Flurbereinigung von 1930, den nächsten Niedergang der zweite Weltkrieg. Das neue, 1955 gebaute Schulhaus wurde nach der Einstellung des Schulbetriebes 1972 als Gemeindehaus genutzt. Als man 1960 die Ortskanalisation baute, wurde gleich eine Kläranlage mitgeplant, aber nie ausgeführt. 1967 bekam das ehemalige Wasserschloss als erstes Feuerwehrmuseum in Baden-Württemberg eine neue Funktion. Seit 2004 Iäuft In Waldmannshofen die Flurbereinigung, im parallel zum Feldflurverfahren laufenden Ortsverfahren ist derzeit Warten angesagt. Ehe damit begonnen werden kann, müssen erst Wasserversorgung und Abwasser neu geregelt werden. Noch gibt es 16 landwirtschaftliche Betriebe in Waldmannshofen, drei davon laufen schon im Nebenerwerb, bei etlichen fehlen die Nachfolger. Auch im idyllischen Waldmannshofen hlnterlässt der Strukturwandel in der Landwirtschaft bereits seine Spuren. * Anmerkung des Webmasters: Die Geschichte ist wirklich im Sauseschritt erzählt und bringt neue Erkenntnisse - ich war  schließlich auch nicht dabei und kenn nur das, was es irgendwo anders Nachzulesen gibt.