Fränkische Nachrichten, 24. Februar 2007 Daniela Pfeuffer Nicht nur der „Ortsadel“ hatte großen Einfluss 1200 Jahre Waldmannshofen (2): Streit um die Frondienste Waldmannshofen. Ein Vertrag von 1690 schien die Fronstreitigkeiten in Waldmannshofen beizulegen. Der Schein allerdings trog und alle Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander zerschellten. Die Streitigkeiten um Frondienste deuten für Waldmannshofen darauf hin, dass nicht nur der „Ortsadel“ großen Einfluss hatte, sondern auch, dass die Landwirtschaft in dem Dorf am Rande des Ochsenfurter Gaus, eine der fruchtbarsten Regionen Deutschlands, stets eine große Rolle spielte - und bis heute spielt. Wenige Jahrzehnte nach dem Vertrag von 1690 wurde das herrschaftliche Schlossgut verpachtet. Die Abgaben und Fronen mussten nun an den Pächter geleistet werden, was neue Schwierigkeiten mit sich brachte, zumal sich die Pächtersfamilie über Generationen hinweg nicht mit den Waldmannshöfern verstand. Im Januar 1796 entlud sich der jahrzehntelang schwelende Streit zwischen Pächter und den ortsansässigen Bauern. Anlass dazu war die Kürzung des Lohnes für das Frondreschen in der herrschaftlichen Getreidescheuer. Der Streit kochte derart hoch, dass der Graf im Verlauf der Auseinandersetzungen mehrmals beim preußischen Landministerium in Ansbach ein Husarenkommando anforderte, um seine „widersetzlichen Untertanen in Waldmannshofen wieder zur Ordnung und auf den Weg vernünftiger Vorstellungen zu bringen“. Das Landministerium verweigerte jedoch dem Grafen das Husarenkommando. Die Waldmannshöfer Bauern wiederum schrieben insgesamt fünf Beschwerdebriefe an den König von Preußen und baten diesen um Vermittlung. Das preußische Ministerium in Ansbach entsandte einen vom König bevollmächtigten Beamten, um die Vorgänge in  Waldmannshofen zu untersuchen und zu schlichten. Zwar wurden die Schikanen des Pächters aufgehoben, aber weil der Graf Grund zur Klage wegen Ungehorsam der Untertanen hatte, wurden Gefängnisstrafen von wenigen Tagen und die Übernahme der Gerichtskosten über die Aufständischen verhängt. Dies war sicherlich nicht dazu angetan, Friede und Eintracht im Dorf wiederherzustellen. 1799, nur drei Jahre nach der ersten Schlichtung, verklagte Graf Hatzfeld seine Untertanen ein zweites Mal, weil sie die von ihm angeordneten Frondienste für den Bau einer neuen Dreschhalle mit der Begründung ablehnten, Baufronen seien im Fronvertrag von 1690 nicht enthalten. Das königliche Kammergericht legte diesen Vertrag jedoch ganz anders aus und verurteilte die Dorfbewohner, den geforderten Frondiensten unverzüglich nachzukommen. Beendet wurden die Streitigkeiten um die Fronen erst mit der Ablösung der Grafen von Hatzfeld 1840. Die Bauern mussten sich sozusagen „freikaufen“; indem sie dem Herrschenden in zehn Jahresraten eine Gesamtentschädigung leisteten. Ebenfalls 1840 wurde auch der Zehnte, der an die Kirche zu leisten war, abgeschafft. 1848 folgte der Handlohn und 1853 der Gült, eine Art „Grundsteuer“. Diese Sozialreformen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zugunsten der ländlichen Bevölkerung gingen als so genannte „Bauernbefreiung“ in die Geschichte ein. Weitere Reformen folgten, so ging beispielsweise die Schulaufsicht von der Kirche auf den Staat über, dies war in Waldmannshofen 1860 der Fall. Der vorhandene Unterrichtsraum wurde schon nach acht Jahren erweitert. Die Familie Hatzfeld blieb bis 1886, also für 249 Jahre, Grundherr in Waldmannshofen. Bekommen hatten die Hatzfeld den Ort Waldmannshofen von den Markgrafen Brandenburg-Ansbach für treue und mutige Dienste im 30-jährigen Krieg 1637. 1886 bietet Fürst Alfred von Hatzfeld-Wildenberg zu Dambrau, Kreis Falkenberg, Regierungsbezirk Oppeln, Oberschlesien - sein Eigentum in Waldmannshofen der Gemeinde zum Kauf an. Bis dahin war das Schloss als Speicher und als „Gnadenwohnung“ genutzt worden. Die Gemeinde Waldmannshofen erwarb das Schloss mit den dazugehörigen Gütern, immerhin 347 Morgen Feld und 140 Morgen Wald, für 270 000 Mark. Sehr gut über die Waldmannshöfer Geschichte informieren auch die  Kirchenbücher. 1568 ist im Dorf ein evangelischer Pfarrer nachgewiesen, weshalb man annimmt, dass dies das Jahr der Einführung der Reformation in Waldmannshofen ist. Seit 1576 beginnen die Kirchenbuch-Aufzeichnungen, das heißt die Führung eines Tauf-, Ehe- und Totenregisters. Dieses Kirchenbuch weist in den Jahren des 30-jährigen Krieges immer wieder Taufen von Kindern aus Simmershofen, Sechselbach und Niedersteinach aus. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass Eltern aus Dörfern ohne Befestigung in das mit einer Schutzwache, zwei Toren und einem Dorfetter umgebene Waldmannshofen geflüchtet sind. Gerade die Familie Hatzfeld, die den Ort seit 1637 als Grundherr belehnte, führte mit der evangelischen Gemeinde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts einen ständigen Kleinkrieg um formalreligiöse Angelegenheiten. Beispielsweise als es 1736 zu wiederholten Streitigkeiten kommt, weil auf dem Schloss katholische Gottesdienste gefeiert werden, obwohl der evangelische Ortspfarrer auch für die katholischen Schlossherren Taufen, Trauungen und Leichen besorgt hatte. Am Beginn des 19. Jahrhunderts bekommt auch Waldmannshofen die Auswirkungen der „Europapolitik“ Napoleons zu spüren. 1805 wird Waldmannshofen bayerisch. Durch den Vertrag von Paris wechselt die Landeshoheit von Bayern an Württemberg „Gränzvertrag zwischen Baiern und Württemberg, 18. Mai 1810“. Waldmannshofen ist fortan die „Gemeinde dritter Klasse Nummer 45 im Oberamt Mergentheim im Jagst-Kreis, Königreich Württemberg“, dies bedeutet auch, dass die kirchliche Zugehörigkeit vom Dekanat Uffenheim zum Dekanat Creglingen wechselte. Waldmannshofen wies am 1. Dezember 1875 329 Einwohner in 54 Familien in 51 Gebäuden auf. Davon waren 168 männlich und 161 weiblich. Von den 58 Schülern waren 32 Jungen und 26 Mädchen. Solch detaillierte Zahlenangaben sind für heutige Vergleiche sehr wertvoll. Die durchschnittliche Familiengröße lag bei 6,1 Menschen. Man darf also für Waldmannshofen von einer großfamiliären Struktur am Beginn des 20. Jahrhunderts sprechen. Weniger romantisch ist es allerdings wenn man sich vor Augen hält, dass rund  sechs Menschen in einem Haus lebten, teilweise unter bescheidenen, beengten Bedingungen. Auffällig ist allerdings, dass sich der Kinderreichtum wohl sehr in Grenzen hielt.  Auf eine Familie kommt im Durchschnitt nur ein Schulkind. In diesem Punkt stimmen unsere Vorstellungen von der „guten alten Zeit“ mit einer ganzen Schar an Kindern mit den wirklichen Verhältnissen nicht überein. Lesen Sie in der nächsten Serie über Waldmannshofen die jüngste Geschichte, das Kriegsende und die Aufbaubemühungen in der Nachkriegszeit sowie Aspekte künftiger Herausforderungen. Fränkische Nachrichten, 3. März 2007 Daniela Pfeuffer Feuerwehrmuseum als Aushängeschild 1200 Jahre Waldmannshofen (3): Das ehemalige Wasserschloss ist seit 40 Jahren Museum Waldmannshofen. Die jüngste Geschichte der Ortschaft Waldmannshofen ist geprägt durch zwei fürchterliche Weltkriege und die Modernisierungen in der Nachkriegszeit. Im Artikel zum 20. Jahrhundert sind auch die Besonderheiten Waldmannshofens zu betonen. Da ist zum einen die Einrichtung eines Feuerwehrmuseums im ehemaligen Wasserschloss, zum anderen aber auch die Lage im äußersten Norden Baden- Württembergs, die eine echte Herausforderung für den Ort darstellt. 1904 herrschte in Waldmannshofen wahre Aufbruchsstimmung: es wurde eine erste Wasserleitung verlegt, eine Gemeinde- Waage eingerichtet und ein Darlehenskassenverein gegründet. Dieser Finanzverbund bestand bis 1980, bevor er mit der Creglinger Bank fusionierte. Die Versorgung mit Elektrizität erreichte Waldmannshofen im Jahre 1913. Der erste Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren im Gemeindeleben des Ortes. Zehn junge Männer zwischen 19 und 46 Jahren kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Bereits 1919 wurde ein Denkmal zwischen Auber Straße und Friedhof zur Mahnung und Erinnerung gestiftet. Auch zwei der drei Glocken der Waldmannshöfer Kirche mussten für die Rüstungswirtschaft des Ersten Weltkrieges abgeliefert werden. Im Jahre 1920 wurden diese gegen Neue ersetzt, die aber auch nicht lange im Frieden läuten durften. 1942 wurden erneut zwei der drei Waldmannshöfer Glocken für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Den „Aufschwung“ der 1920er Jahre nutzend, beschloss Waldmannshofen am 23. Mai 1923 eine Flurbereinigung durchzuführen. Im Jahre 1929 begannen die Bauarbeiten an der Entwässerung und Drainage, die aufgrund des 2. Weltkrieges erst 1957 abgeschlossen werden konnten. Erst vor rund zwei Jahren wurde eine weitere Flurbereinigungsmaßnahme, im Zuge eines vereinfachten Zusammenlegungsverfahrens, beendet. Einige neu geteerte und ausgebaute Feldwege zeugen davon. Wie stark nationalsozialistisches Gedankengut in den frühen 30er Jahren Eingang in das Denken und Handeln der Menschen gefunden hatte, lässt sich auch am Beispiel Waldmannshofens erkennen: Am 1. Mai 1933 wurden zwei Bäume gepflanzt, „eine Eiche zu Ehren des Reichspräsidenten Hindenburg als Zeichen der Stärke und eine Linde zu Ehren des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler, als Zeichen des Aufblühens“. Solche Aktionen waren damals allgemein üblich und sind kein spezielles Phänomen Waldmannshofens. 1935 wurde die selbständige Gemeinde Sechselbach aufgelöst und Ortsteil von Waldmannshofen. Die dortige Schulbetrieb wurde damit eingestellt, die Kinder mussten zunächst nach Niedersteinach und später nach Waldmannshofen zu Fuß in die Schule gehen. Die Reaktion der Sechselbacher Bürger auf diese Entscheidung war sehr negativ: „sie versuchten den Landrat durch persönliche Einflussnahme von dieser Entscheidung abzubringen“. Die Kämpfe beim Einmarsch alliierter Truppen gegen Kriegsende 1945 hinterließen auch in Waldmannshofen ihre Spuren und forderten sogar einige Menschenleben. Am 8. April 1945 beschoss die amerikanische Artillerie von Aufstetten aus in Richtung Waldmannshofen. Damit wollten die Amerikaner Gegenangriffe der deutschen Truppen verhindern. Eine Granate traf den Kirchturm und verletzte den zehnjährigen Walter Paulus schwer. Mit einem Pferdewagen fuhren ältere Männer den nur notdürftig verbundenen Jungen in Richtung  Reinsbronn zum Truppenverbandsplatz. Das Kind starb auf den Weg dorthin bereits in Sechselbach. Dieses tragische Schicksal des Jungen ist noch heute in den Köpfen der Waldmannshöfer präsent. Am 12. April besetzten amerikanische Soldaten Sechselbach kampflos, ein Leutnant,  in Feldwebel und in Gefreiter versuchten in Richtung Fuchshof zu entkommen und wurden erschossen. Die Feuerwehr löschte die brennenden Scheunen in Sechselbach, die aufgrund des Beschusses mit Phosphorgranaten in Flammen aufgingen. Das zur Sperrstunde brennende Kirchenschiff in Sechselbach wurde Raub der Flammen, da sich niemand mehr auf die Straßen begeben durfte. Ebenfalls am 12. April 1945 wurde Waldmannshofen aus Richtung Buch besetzt. Beim Vormarsch beobachteten die Amerikaner, wie deutsche Soldaten mit einem leichten Geschütz im Handzug gegen sie vorrückten und dabei immer wieder Deckung in den Gehölzen suchten. Amerikanische Panzer beschossen die deutschen Soldaten und neugierige Dorfbewohner, die in den Scheunen standen. Gegen 14 Uhr fuhren die Panzer in Waldmannshofen ein, deutsche Soldaten im Dorf und rund 100 Soldaten aus dem Umlandwald werden gefangen genommen. Damit war der Krieg in Waldmannshofen beendet. Zwischen 1947 und 1949 wurde die Kirche in Sechselbach wiederaufgebaut. 1950 konnten für die Waldmannshöfer Kirche drei neue Glocken angeschafft werden. Zwei waren Ersatzbeschaffungen für die 1942 zu Rüstungszwecken beschlagnahmten Glocken und die eine Glocke aus dem Jahre 1920 war so schlecht, dass sie nicht mehr in ein neues Geläut aufgenommen werden konnte. Ebenfalls 1950 wurde das schadhafte Turmdach ausgebessert und der Bau eines Freibades und Feuersees begonnen. Die Volkszählung von 1950 wies 710 Einwohner für Waldmannshofen aus. In Anbetracht dessen, dass Waldmannshofen heute nur rund 250 Einwohner zählt, sind mit Sicherheit viele Heimatvertriebe und Flüchtlinge in Waldmannshofen aufgenommen worden. Die beginnende Motorisierung der Nachkriegszeit zeigte sich auch in Waldmannshofen sehr deutlich. 1950 gab es im Dorf drei Schlepper und einen PKW, ein Jahr später wuchs die Zahl bereits auf 13 Schlepper, zwei PKW, sowie 27 Motorräder. Weitere Errungenschaften der 50er Jahre  in Waldmannshofen waren: Eine Motorspritze für die Feuerwehr (1952), eine Gemeinschaftskühlanlage (1954-1996) und ein neues Schulhaus (1955). Am 22. April 1967 wurde das Feuerwehrmuseum in Waldmannshofen eröffnet. Das Museum verdankt sein Entstehen dem Kreisbrandmeister a. D. Alfred Gauckler und ist inzwischen zu einer eindrucksvollen Dokumentation über die Entwicklung des Feuerwehrwesens geworden. Mit einem großen Festakt wurde im Jahre 2002 das 35-Jahr-Jubiläum gefeiert. Dank dieses Museums wird Waldmannshofen, das im nordöstlichsten Zipfel Baden-Württembergs liegt, landesweit immer eine besondere Bedeutung beigemessen. Im Jahre 1972 bildete sich die Stadt Creglingen aus zwölf ehemals selbständigen Gemeinden, darunter auch Waldmannshofen. Seither vertritt ein Ortsvorsteher die Belange der ehemals selbständigen Gemeinde auf der Ebene der neu geschaffenen Stadt. Der in Waldmannshofen in den nächsten Jahren anstehende Anschluss an die öffentliche Abwasserentsorgung ersetzt die Kanalisation Kanalisation aus dem Jahre 1960. 1977 wurde Waldmannshofen an die Fernwasserversorgung Franken angeschlossen. Der Wasserzins stieg in diesem Jahr von 0,38 auf 1,50 Mark! Der Anschluss Waldmannshofens an die Kläranlage Steinachtal, Sanierungsmaßnahmen am Schloss und das Jubiläumsfest 2007 sind die Ereignisse, die die Einwohner Waldmannshofens in nächster Zeit wohl am meisten umtreiben werden. In der nächsten Folge der Serie über das Jubiläumsdorf Waldmannshofen geht es um das Vereinswesen und den gemeinschaftlichen Zusammenhalt.