Fränkische Nachrichten, 29. Januar 2007 Arno Boas „Wer so viel Geschichte hat, hat auch sehr viel Zukunft“ Archshofen, Freudenbach und Waldmannshofen starteten mit Festakt in ihr gemeinsames 1200-Jahr-Jubiläum Creglingen. Karl dem Großen sei Dank: hätte der mächtige Herrscher nicht im Jahr 807 einen Gebietstausch zwischen dem Bischof von Würzburg und dem Grafen Audulf schriftlich bestätigt - Archshofen, Freudenbach und Waldmannshofen könnten 2007 nicht ihre erste urkundliche Erwähnung vor genau 1200 Jahren feiern. Das Jahr 807 war allerdings nicht die Geburtsstunde der drei heute zu Creglingen gehörenden Ortschaften, wie der Historiker Professor Dr. Gerhard Fritz beim Festabend am Freitag in der Creglinger Mehrzweckhalle hervorhob: die erste Besiedlung muss es dort schon 100 bis 150 Jahre zuvor gegeben haben. Mit einem bunten Programm starteten die Jubiläums-Dörfer am Freitag in ein für sie außergewöhnliches Jahr: alle drei wurden vor 1200 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsvorsteher Werner Mantel (Archshofen), Eugen Schmidt (Freudenbach) und Karl Henn (Waldmannshofen) hatten sich beim Festakt in historische Gewänder gekleidet, an der Wand hingen die Fahnen der drei Dörfer, und die Getränke gab es in hübschen Tonkrügen. Dazu ertönten Fanfarenklänge des Rothenburger Spielmannszuges - das Ambiente jedenfalls passte zum historischen Anlass, und die rund 500 Besucher erlebten dazu einen gleichsam fundierten wie unterhaltsamen Festvortrag über die politischen Hintergründe jener Zeit (siehe weiteren Bericht). Unter den Besuchern war viel Prominenz aus badischen, hohenlohischen und fränkischen Landen, aber ein Besucher erhielt besonders freundlichen Beifall: Arthur S. Obermayer, dessen Großmutter Helmina Oberndörfer einst von Archshofen in die Vereinigten Staaten emigriert war. Obermayer hat den Aufbau des jüdischen Museums in Creglingen maßgeblich unterstützt, seine Anwesenheit war ein sichtbares Zeichen dafür, dass die jüdische Gemeinde ihren festen Platz in der Archshöfer Geschichte hat. Bürgermeister Hartmut Holzwarth zeigte sich beeindruckt von dem, was in den  drei Dörfern auf die Beine gestellt, mit welchem Einsatz das Jubiläum vorbereitet wird. „Darin kommen Gemeinschaft und Individualität hervorragend zum Ausdruck“, sagte der Bürgermeister, der zugleich die „praktizierte Dorfgemeinschaft“ als einen „wesentlichen  Baustein“ für die Zukunft der drei Dörfer lobte. Jedes Dorf habe für sich, so Holzwarth, eine „eigene Art und Weise“ gefunden, das Jubiläum „angemessen zu feiern“. Landrat Reinhard Frank zollte den Dörfern ebenfalls Anerkennung. „Der bürgerschaftliche  Stolz kommt hier wunderbar zum Ausdruck“. Alle drei Ortschaften zeichneten sich durch ein „pulsierendes Vereinsleben“ aus. Hier werde Politik mit Bodenhaftung gemacht, „noch nie waren solche Gemeinschaften wichtiger als heute,“ meinte Frank angesichts der Globalisierung. „Wir sind stolz auf diese kleinen,  aber feinen Ortschaften,“ betonte der Landrat, der die Dörfer in einem „kulturhistorisch bedeutsamen  Landstrich“ angesiedelt sieht, in dem sich Burgen, Schlösser und Kirchen „wie an einer Perlenschnur“ aneinander reihen. Der Landrat erinnerte daran, dass alle Dörfer auch stürmische Zeiten erlebt hätten, „aber heute sind sie ein starkes Stück Zukunft“. Archshofens Ortsvorsteher Werner Mantel meinte, „wer so viel Geschichte hat, hat sicher auch sehr viel Zukunft“. Mit seinen rund 335 Einwohnern ist Archshofen nach Creglingen das größte Dorf im Gemeindegebiet. „Früher haben wir den Wein exportiert, heute trinken wir ihn mit unseren Gästen selber,“ erinnerte Mantel an die  Heckenwirtschaften, die in Archshofen florieren wie in keinem anderen Ortsteil. Ute Kaulbersch und einige Archshofener Kinder boten in einem Sketch Einblick in die Geschichte des Dorfes, die sehr wechselvoll war - was mit dem Satz „im Moment gehören wir zu Creglingen“ verschmitzt kommentiert wurde. Doch eines immerhin wird sich nie ändern: „Wir stehen im Alphabet an erster Stelle - denn „A“ kommt immer vor „C“ wie Craintal oder Creglingen“, lautete die Quintessenz. „Wenn die Menschen zusammenfinden, um gemeinsam etwas zu bewegen, dann führt dies auch zu einer tieferen Verbundenheit im Dorf,“ stellte Ortsvorsteher Eugen  Schmidt (Freudenbach) heraus. Zudem würden die Vorbereitungen auch über Dorfgrenzen hinweg Gemeinsamkeiten schaffen. Mit Erdbach und Schön hat Freudenbach heute rund 350 Einwohner, die sich in sieben Vereinen engagieren können. In einem Sketch aus dem Jahr 1769 (Schmidt: „In jener Zeit mussten die Menschen nur den Zehnten an die Obrigkeit abführen“) erfuhren die Besucher, wie ein listiger Maulwurfsfänger versucht, die Gemeinde hinters Licht zu führen - allerdings vergeblich. Waldmannshofens Pfarrerin Renate Ganzhorn-Burkhardt und Ortsvorsteher Karl Henn zitierten aus einer Gemeindeordnung aus dem 16. Jahrhundert und entdeckten dabei so manche Vorschrift, die auch in heutiger Zeit durchaus noch Anwendung finden könnte. Die Geistliche hatte sich mit einem historischen Kirchenspieß bewaffnet, während der Ortsvorsteher die Gemeindeschelle mit sich führte. Mit dem Kirchenspieß, so die Pfarrerin augenzwinkernd, könne man in Zukunft die Bürger wieder zu einem häufigeren Kirchenbesuch animieren. Urkunde „wie ein Licht in dunkler Zeit“ Professor Dr. Gerhard Fritz hielt informativen und unterhaltsamen Festvortrag Creglingen. Vor 1200 Jahren dürften Archshofen, Freudenbach und Waldmannshofen winzige Dörfer gewesen sein. Vielleicht je gut ein Dutzend Einwohner könnte im Jahr 807 dort gelebt haben. So jedenfalls die Vermutung von Professor Dr. Gerhard Fritz (Bild), der beim gemeinsamen Festakt zum 1200-Jahr-Jubiläum der drei Ortschaften einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Vortrag hielt. Einen Gebietstausch wollten der Bischof Eigilward von Würzburg und ein Graf Audulf aus dem Gollach- und  Taubergau von Kaiser Karl dem Großen schriftlich bestätigt haben - sie bekamen das begehrte Siegel, und damit erhielten die Dörfer 1200 Jahre später die Gelegenheit, ihre  erste urkundliche Erwähnung zu feiern (die FN berichten zurzeit in einer Serie exklusiv über die Geschichte der Jubiläums-Dörfer). „Diese Urkunde ist wie ein Licht in dunkler Zeit, denn das 7. und 8. Jahrhundert waren fast schriftlose Zeiten,“ so der Redner. Weshalb der Tausch vorgenommen wurde, lässt sich heute nicht mehr sagen. Die Urkunde belegt aber, dass Güter, Rechte und Einkünfte getauscht wurden und dass beide Parteien ein Interesse an dem Gebietstausch hatten. Eigilward trat an Audulf Freudenbach („Fridunbach“) ab, inklusive „Autgausishoua“ und „Ualtmannisoua“. Dafür erhielt er „Sciffa“ (Schüpf) und „Odinga“ (eventuell der Üttingshof). Damals gab es nur in Freudenbach eine Kirche - vermutlich ein schlichtes Gebäude aus Holz, ohne Turm. Archshofen gehörte zur Pfarrei Freudenbach. Waldmannshofen wiederum war  Lipprichhausen angegliedert. Die Waldmannshofener, so steht zu vermuten, hatten im übrigen einen kritschen Blick auf Sechselbach zu werfen - denn der Nachbarort bestand aus heimatvertriebenen Kriegsverlieren aus dem norddeutschen Raum - damals das Stammes-Gebiet der Sachsen. Kaiser Karl hatte die unbeugsamen Sachsen nach seinem Sieg schwer bestraft und sie über alle Lande verteilt, daher die vielen Namen mit „Sachsen“ wie „Sachsenheim“ oder „Sachsenflur“ und eben „Sechselbach“. Während das Dorf „Ualtmannisoua“ leicht als Waldmannshofen zu identifizieren ist, verhält es sich laut Professor Fritz bei „Autgausishoua“ etwas komplizierter. „Sprachgeschichtlich“ wolle dieses Wort nicht so recht mit „Archshofen“ zusammenpassen, müsse er, der wissenschaftlichen Seriosität verpflichtet, feststellen. Man habe deshalb schon erwogen, ob es sich vielleicht um Auernhofen handle - aber auch hier passe der sprachgeschichtliche Befund nicht. Vielleicht habe sich in Ingelheim - wo Kaiser Karl 807 die Urkunde besiegelte - der Schreiber einfach verhört und habe eigentlich „Archausishoua“ schreiben wollen. Jedenfalls spreche, so Professor Fritz, die geografische Nähe und die kirchliche Zugehörigkeit von Archshofen zu Freudenbach dafür, dass tatsächlich Archshofen gemeint gewesen sei. Die Archshöfer dürften das mit einiger Erleichterung vernommen haben . . . Fränkische Nachrichten, 17. Februar 2007 Daniela Pfeuffer Der fruchtbare Boden weckte beim Adel Begehrlichkeiten 1200 Jahre Waldmannshofen (1): Nach der Zerstörung des Schlosses kamen für die Bauern harte Zeiten / Andauernder Streit um die Fronverpflichtungen Waldmannshofen. Um sich der Ortschaft Waldmannshofen und deren frühester Geschichte zu nähern, ist der Blick auf das jüngste Medium - das Internet - sehr hilfreich. Dort heißt es: „Dies ist die Homepage der mittelfränkischen Gemeinde Waldmannshofen, die zwar seit fast 200 Jahren zu Württemberg gehört . . .“ - mittelfränkisch? Richtig gelesen: schon bei dieser - politisch nicht ganz korrekten - Wortwahl geht’s los mit der Geschichte! Hier zur besseren Orientierung noch ein kurzer Blick auf die Waldmannshofen-Seiten im Internet. Dort heißt es weiter: „Lage: Das fränkische Dorf Waldmannshofen liegt zirka neun Kilometer von Creglingen, vom Taubertal und der  „Romantischen Straße“, entfernt im nordöstlichsten Zipfel Württembergs, landschaftlich schon zum „Ochsenfurter Gau“ gehörig, umgrenzt vom heutigen Freistaat Bayern (Unter- und Mittelfranken).“ Während sich die Geschichte Archshofens (über die wir in den letzten vier Wochen berichteten) sehr stark an die Freie Reichsstadt Rothenburg anlehnt, ist in Waldmannshofen der Einfluss des Mittel- und Unterfränkischen unverkennbar. Noch heute fühlt man sich in Waldmannshofen nicht als „Württemberger“ sondern als „waschechter Franke“ - wohl eher als Mittelfranke mit einem unverkennbaren unterfränkischen Einschlag im Dialekt. Die Urkunde, auf die sich das 1200-Jahr- Jubiläum in Waldmannshofen, Freudenbach und Archshofen bezieht, bestätigt zwar, dass es im Jahre 807 diese drei Siedlungen gab, gibt aber keinerlei Auskunft darüber, wie lange diese Weiler damals schon existierten, bzw. wie groß die Ortschaften waren. Vermutlich entstand Ualtmannisoua als „Hof eines Waltmann“ schon während der fränkischen Rodungs- und Siedlungsperiode im 7. oder 8. Jahrhundert. Die Vermutung einer frühen Besiedelung wird auch dadurch gestützt, dass Waldmannshofen über einen sehr fruchtbaren Boden verfügt, der für eine landwirtschaftliche Nutzung bestens geeignet ist. Auch archäologische Funde belegen, dass die Gegend rund um Waldmannshofen bereits vor einigen tausend Jahren ein beliebter Siedlungsplatz war. Nachgewiesen sind erste Besiedlungen zu Beginn der Jungsteinzeit um etwa 5200 bis 4200 vor Christus. Zu dieser Zeit ging der mitteleuropäische Mensch dazu über, nicht mehr vom Jagen und Sammeln zu leben, sondern sich niederzulassen und Ackerbau sowie Viehzucht zu betreiben. Dazu wurden kleine Lichtungen in die Wälder geschlagen, bevorzugt natürlich an Standorten mit fruchtbaren Böden sowie in der Nähe von Quellen oder Gewässern. Zahlreiche Funde um Waldmannshofen, wie Steinäxte und - beile, Pfeilspitzen oder Mahlsteine belegen die frühe Besiedelung der Gegend von Waldmannshofen. Nach der urkundlichen Ersterwähnung Waldmannshofens im Jahre 807 wird es wieder sehr lange still um den Ort - Urkunden oder andere Quellen fehlen bis ins Jahr 1140. Erst dann ist wieder ein Schriftstück erhalten, das dem Hochstift Würzburg weiteres Eigentum an Waldmannshofen zusichert - und selbst diese Urkunde ist eine Fälschung der 1220er Jahre. Erst über 350 Jahre nach der urkundlichen Ersterwähnung findet sich ein weiterer - dieses Mal wahrer - Hinweis zu Waldmannshofen. Im Jahre 1163 nämlich kauft Kaiser Friedrich I. vom Domkapitel zu Bamberg den ganzen Besitz von Waldmannshofen. 1237 tritt Gottfried von Hohenlohe-Brauneck, dessen Adelsgeschlecht  sich nach der nur rund 5 km entfernten Burg Brauneck benennt, die Nachfolge am Besitz des Schenken Walter von Limburg an. Mit diesem Schenken bestand ein Streit, und zur Beilegung dessen trat Walter von Limpurg seine Burg bei Wertheim und andere Besitzungen, worunter auch Waldmannshofen zählte, an Gottfried von Hohenlohe- Brauneck ab. 1293 verkauft Gottfried „Waltmanneshofen“ für 110 Pfund Heller an das Kloster Heilsbronn, dessen Lehen die Ortschaft nun ist. Der Begriff Lehnswesen, auch Feudalwesen (Feudalismus) oder Benefizialwesen, bezeichnet das politisch- ökonomische System der Beziehungen zwischen Lehnsherren und belehnten Vasallen. Es bildete  die Grundlage der hochmittelalterlichen Gesellschaftsordnung der abendländischen Staaten, vor allem aber des Heiligen Römischen Reichs. Der Lehnsherr, welcher der rechtliche Eigentümer von Grund und Boden und/ oder bestimmter Rechte war, verlieh diese dem Lehnsempfänger auf Lebenszeit. Dafür musste der Lehnsempfänger dem Lehnsherrn persönliche Dienste leisten. Beide verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue: Der Lehnsherr zu Schutz und Schirm, der Lehnsempfänger zu Rat und Hilfe. Oberster Lehnsherr war der jeweilige oberste Landesherr, König oder Herzog, der Lehen an seine Fürsten vergab. Im Falle von Waldmannshofen war der oberste Landesherr seit 1163 der Kaiser, da dieser den dortigen Besitz erwarb. Diese Landesherren konnten wiederum Lehen an andere Adelige vergeben, die sich von ihnen belehnen lassen wollten und oft in der Adelshierarchie unter dem Lehnsgeber standen. Solche Adelsfamilien, die den Besitz im Namen des Kaisers „verwalteten“ und an die Landbevölkerung  (Vollbauern, so genannten Hufner, Halbhufner, Viertelhufner, etc.) weiterverlehnten gab es in Waldmannshofen reichlich in der Geschichte: die Schenken von Limburg, die Herren von Hohenlohe-Brauneck und das Kloster Heilsbronn. Doch damit nicht genug, die Rangelei um den fruchtbaren Waldmannshöfer Boden rief noch weitere adelige und geistliche Herren auf den Plan: Nur zwei Jahre nachdem das Kloster Heilsbronn als Lehensgeber auftrat, erwirbt 1295 auch Kloster Frauental einen Teil an Waldmannshofen für 112 Pfund Heller. Dies ist auch der Grund dafür, weshalb sich einige Untertanen im späteren Streit um den Frondienst in Waldmannshofen auf die Zugehörigkeit zu Frauental berufen und sich deshalb weigern, dem Waldmannshöfer Herren zu fronen. 1317 gibt ein Berthold von Bolzhausen Güter Waldmannshofens an die neue Kapelle bei der Pfarrkirche in Röttingen. 1331 schenkt die Diözese Konstanz dem Kloster Heilsbronn Güter in Waldmannshofen, wie die Diözese allerdings zu diesem Besitz kam, ist unbekannt. Die Zersplitterung des Bodens und wildeste Besitzverhältnisse im Mittelalter bestätigen sich für Waldmannshofen noch einmal im Jahre 1356, hier nämlich ist  bekannt, dass das Stift St. Burkard in Würzburg Besitzungen in Waltmanshofen hat. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts beginnt sich der Besitz in Waldmannshofen und die Herrschaft über das Dorf zu strukturieren und zu bündeln. Es bildete sich mehr und mehr eine Herrschaft im Kleinen aus. Die Dorfherren - von 1372 bis 1484 die Truchsessen von Baldersheim, 1484 bis 1632 die Herren von Rosenberg und ab 1637 die Herren von Hatzfeld - waren freie, unabhängige Ritter, die ihr Lehen zwar den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach verdankten, sich aber sonst wenig in ihre „Amtsführung und Besitzgestaltung“ dreinreden ließen. Ihr Sitz war das ehemalige Wasserschloss am Nordrand des Dorfes, das im Jahre 1408 erstmals urkundlich bezeugt ist. Der Besitz der jeweiligen „Dorfritter“ war allumfassend, nicht nur Wiesen, Seen und Bodengüter, sondern beispielsweise auch die Aufsicht über die Kirche und damit die frühe Schulbildung, das Gericht, die Zinsen, sowie Eigentum über die Leute, die den Boden bewirtschafteten oder im Dorf wohnten. Zusätzlich zu den Abgaben, Kirchenzehnt und Ackerzins, mussten die Untertanen Frondienste, meist in Form von Hand- und Spanndiensten leisten. In Waldmannshofen war die Belastung bis 1523 durch die jährliche Fronverpflichtung äußerst gering, etwa ein Tag pro Haus und Jahr. Dies änderte  sich grundlegend mit der Zerstörung des Waldmannshöfer Schlosses 1523. Im Juni 1523 zog das Heer des Schwäbischen Bundes unter Jörg Truchsess von Waldburg nach Franken, um dem wegen seiner brutalen Gewalttaten berüchtigten Ritter Thomas von Absberg und dessen Genossen unter den fränkischen Adeligen das Handwerk zu legen. Zu diesen zählte auch Cuntz von Rosenberg, wie die Bewohner von Waldmannshofen bald mit Schrecken erfahren sollten. Nach einer zeitgenössischen Chronik zufolge  drangen die Bundestruppen in das Dorf und brannten das Schloss nieder. Cuntz von Rosenberg hatte offenbar vorher Lunte gerochen und sich und seine Familie in  Sicherheit gebracht. Als er wieder nach Waldmannshofen zurückkehrte, benötigte er die Hilfe der Waldmannshöfer zum Aufbau eines neuen Schlosses. Sechs Untertanen  erklärten sich angesichts der Notlage ihres Herrn bereit, die Bestellung der Schlossäcker sowie Baumaterialanlieferungen und andere Fuhren zu übernehmen. Cuntz von Rosenberg überlebte die Fertigstellung des Schlosses nicht und konnte deshalb auch sein Versprechen, danach die zusätzlichen Fronen wieder abzuschaffen, nicht mehr einlösen. Bei seinen Nachfolgern wehte jedoch ein anderer Wind. Bereits sein Sohn Lorenz von Rosenberg kümmerte sich nicht mehr um das Versprechen seines Vaters. Die Fronen wurden nach Abschluss der Bauarbeiten am Schloss nicht vermindert, sondern noch vermehrt und teilweise sogar auf den Sonntag ausgedehnt. Darüber hinaus wurden die Bauern nicht mehr um Fronen gebeten, sondern dazu befohlen. Auch die reichliche Verköstigung hörte auf. Die Gesamtbelastung stieg auf 40-50 Frontage im  Jahr, vor 1523 lag sie noch bei einem Tag. Kein Wunder, dass die Waldmannhöfer unter der Last dieser maßlos überzogenen Fronen stöhnten, besonders diejenigen, die glaubten, gar nicht dazu verpflichtet zu sein, da sie grundherrschaftlich dem Kloster Frauental bzw. den Herren von Ehenheim auf Burg Brauneck unterstanden. Die ersten Widerstände regten sich unter Conradt von Rosenberg, dem Sohn von Lorenz. Dieser aber machte kurzen Prozess, er ließ aufständische Bauern in den Schlossturm sperren,  bis sie versprachen, wieder ohne Widerrede zu fronen. Einige Untertanen konnten durch die starke Belastung des Fronens ihr Lehen nicht mehr ausreichend bewirtschaften, verschuldeten sich und mussten schließlich ihre Höfe verkaufen. Conradt von Rosenberg starb 1581 ohne Erben und Waldmannshofen fiel an die rosenbergische Linie von Niederstetten. Doch auch unter dieser Linie galten, entgegen den Hoffnungen der Waldmannshöfer, weiterhin strenge Fronen. Nach dem Übergang der Herrschaft an die Herren von Hatzfeld im Jahre 1637, die im Schloss in Niederstetten residierten, änderte sich nichts an der Belastung durch die Fronen und den Streitigkeiten darüber. Im Jahre 1690 kam schließlich ein Vergleich zustande, durch den ein Teil der Fronen durch jährliche Geldzahlung abgelöst und die restlichen Fronverpflichtungen, die in erträglichen Grenzen gehalten waren, vertraglich genau festgelegt wurden. Gegenüber des bisherigen Praxis brachte dies eine wesentliche Erleichterung für die  Waldmannshöfer Gemeindemitglieder. Vor allem aber schien durch den Vertrag eine Willkür der Herrschaft und damit die Ursache der vielen Bedrückungen und Streitigkeiten in Zukunft ausgeschlossen zu sein. Doch diese Hoffnung zerschlug sich bald . . . Lesen Sie im nächsten Artikel am kommenden Wochenende die Fortsetzung des Streits um die Frondienste und die Geschichte Waldmannshofens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Um das württembergisch-fränkische Dorf live zu erleben, sollte man sich unbedingt das Festwochenende vom 6. bis 8. Juli vormerken. Neben Jugendtanz sind ein Mittelaltermarkt, ein Heimatabend und sogar ein Feuerwerk geplant.